17.12.2021

Architektur und Mensch

Interview mit Marian Heuer

Wir freuen uns, dass wir neben Herrn Gresser, dem Architekten der Feldkapelle, nun mit Marian Heuer auch einen angehenden Architekten interviewen durften, der uns seine Sicht auf die Feldkapelle und spirituelle Gebäude im Allgemeinen erläutert hat.

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Herr Heuer, Sie studieren Architektur im 4. Semester, worin unterscheiden sich heute spirituelle Gebäude von religiösen Gebäuden? Auf was wird heute Wert gelegt?

Der Begriff „Spiritualität“ hat verschiedene Bedeutungen und ist daher von dem weltanschaulichen Kontext abhängig, auf den man sich bezieht. Sie kann sowohl als integraler Bestandteil existierender Religionen, als auch frei und unabhängig dieser Richtungen verstanden werden, was sich in der Ausführung der Bauweise erkennbar macht. Während spirituelle Gebäude keine festgelegte Ausrichtung des Baukörpers beinhalten und offen in ihrer Gestaltung sind, unterliegen konfessionelle Gebäude einer Ostung und sind an bestimmte religiöse Merkmale gebunden.

Seit ungefähr 200 Jahren wird kaum noch Wert auf spirituelle Architektur gelegt und somit ist sie stark in den Hintergrund gerückt. Deshalb ist es in dem modernen, technischen Zeitalter nicht leicht sich etwas unter diesem Begriff vorzustellen, welcher im Fokus die Ganzheitlichkeit von Körper, Seele und Geist umfasst. Da man im unmittelbaren Austausch zur Umgebung steht, ist eine Wirkung von Raum und Form auf den Menschen unvermeidbar, weshalb eine äußere und innere Harmonie für das Wohlbefinden von großer Bedeutung ist.

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Wie sollen heute spirituelle Orte/Gebäude auf Menschen wirken, was soll in den Menschen ausgelöst werden?

Durch die stetig wachsenden Anforderungen im Alltag wird es immer schwieriger sich abzugrenzen und einen Augenblick der Gelassenheit und Entspannung für sich zu finden. Die täglichen Konfrontationen mit ablenkenden Reizquellen und die Schnelllebigkeit der Gesellschaft können leicht dazu führen, dass man sich zu weit von sich selbst distanziert und das Wesentliche aus den Augen verliert. Manchmal erscheinen Probleme oder Konflikte viel größer, weil man sich nicht mit ihnen auseinandergesetzt hat. Ein spiritueller Ort sollte es dem Menschen ermöglichen, sich in voller Aufmerksamkeit ungestört auf sich einlassen zu können. Das mentale Abschalten ist für die Regeneration von Seele und Geist essenziell, um sich vom Stress des Alltages erholen zu können. Es bietet einem auch die Gelegenheit, eigene Klarheit durch Erkenntnisse zu schaffen, indem man sich selbst und das Umfeld reflektieren und seine eigenen Gedanken ordnen kann.

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Wo sehen Sie in der Feldkapelle die Elemente Kraft, Ruhe, Stille verwirklicht?

Die Elemente zeigen sich bereits in der Auswahl des Ortes, der sich mitten in der Natur befindet und somit von Grund auf einen niedrigen Lärmpegel und wenig Verkehr aufweist. Die Grundstücksmauer aus heimischen Schiefern, dient als schützende Membran nach Außen, dabei bleibt der Austausch zur natürlichen Umgebung weiterhin erhalten. Beim Betreten der Feldkapelle überkommt einen geradezu ein Gefühl der Zeitlosigkeit und Stille. Man wird über einen Pfad durch eine idyllische Binnenwelt geführt, die durch liebevolle und detailreiche Komposition unterschiedlicher Materialien an eine Landschaft mit Flüssen und Gebirgen erinnert. Durch diese schlichten Formen und Strukturen in Verbindung mit Flora und Fauna, verspürt man eine starke Kraft und Verbundenheit zur Natur – unseren Ursprung. Am Ende des Weges angekommen, erreicht man das Herzstück der Feldkapelle, einen verglasten Kubus. Hier kann man in vollkommender Ruhe in sich gehen und den Gedanken freien Lauf lassen.

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Was macht die Feldkapelle in Ihren Augen so besonders?

In meinen Augen ist die Feldkapelle so besonders, weil sie eine moderne Bauweise mit traditionellen und interkulturellen Einflüssen vereint, was diesen Ort schlicht und zeitlos erscheinen lässt.

Der Aufbau ist angelehnt an einen japanischen Teegarten, dessen Herzstück nicht ein traditionelles Teehaus ist, sondern eine stilisierte Kaaba aus Glas. Insgesamt wirkt das ganze Konzept durch das angewandte Raum-in-Raum-Prinzip offen und transparent und bringt eine gewisse Leichtigkeit und Weite mit sich. Auch das Zusammenspiel mehrdeutiger Symboliken ist erwähnenswert unter anderem das Kreuz aus Cortenstahl, welches auch gefaltete Hände darstellt. Zudem gefällt mir sehr, dass auch Baumaterialien aus der Umgebung verwendet wurden.

Feldkapelle
Feldkapelle

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Welche weiteren „Kraft- oder Ruhe-Orte“ fallen Ihnen hier, in unserer Umgebung, ein? Was machen sie aus?

Als weiterer ,,Kraft und Ruhe Ort“ fällt mir die Bergkapelle in Hofheim am Taunus ein. Die Kapelle steht für sich allein und abgelegen mitten im Wald auf dem Rabberg (Räuberberg), von da aus kann man eine schöne Aussicht genießen. Schon beim Aufstieg des Wanderpfades, spürt man eine innere Ruhe in sich aufsteigen.

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