22.04.2021

Selbstfindung und Spiritualität

Interview mit Johannes Mockenhaupt

Johannes Mockenhaupt ist pastoraler Mitarbeiter der Kirchengemeinde St. Birgid in Wiesbaden. Im Interview gibt er uns einen Einblick in das Thema Selbstfindung und -wahrnehmung und welche Wirkung von der Feldkapelle auf uns Menschen ausgeht.

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Herr Mockenhaupt, unsere Gegenwart ist von vielen Äußerlichkeiten geprägt. Täglich erleben wir Selbstinszenierungen, Hasskommentare und Hetze in den sozialen Medien, bleibt der Mensch dahinter letztendlich auf der Strecke?

Der Eindruck kann dann entstehen, wenn der Mensch sich nur noch auf solche Informationen konzentriert und sich von dem inszenierten Leben prägen lässt. Es braucht ja heute unbedingt die Überprüfung der Informationen, ob sie nicht doch (versteckte) Falschmeldungen sind. Die Beeinflussung der eigenen Meinung, des eigenen Standpunktes ist durch die Flut der Informationen in der Tat gegeben. Auf der Strecke bleibt der Mensch aus meiner Sicht dabei aber nicht, er muss sich aber bewusster mit den Informationen befassen.

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Welche Auswirkungen hat diese gesellschaftliche Entwicklung auf unsere seelische Gesundheit?

Wir müssen uns als Menschen ständig entscheiden. Nehme ich die Information so an, überprüfe ich sie, glaube ich das was ich lese und sehe, oder glaube ich es nicht. Es ist ein aufwendiger Prozess und anstrengend für unsere Seele, die von sich aus nach der Wahrheit sucht, ständig zu entscheiden. Dass die seelische Gesundheit da in eine Notsituation kommen kann, ist schnell klar.

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Wie können wir, wenn wir uns selbst nicht mehr wahrnehmen, wieder auf uns selbst rückbesinnen?

Nun ja, Wahrnehmen ist körperliche Arbeit. Bewegung des Körpers, sportliche Aktivitäten, spüren der Natur, sich bewusst freie Zeiten einzuräumen, unseren Sinnen eine besondere Zeit zu schenken. Sehen, riechen, fühlen, hören, schmecken, das alles bringt uns wieder in das seelische Gleichgewicht.

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Inwieweit kann so ein Ort wie die Feldkapelle Raum für eine Selbstfindung sein, was passiert hier mit den Menschen?

Ich habe an der Feldkapelle schon mehrfach einen Tiersegnungsgottesdienst gefeiert. Auffallend viele Menschen wandern an der Kapelle vorbei, laufen mit den Hunden oder anderen Tieren auf den Wegen. Die Kapelle ist jedes Mal ein Anziehungspunkt. Die Menschen bleiben stehen, schauen, nehmen wahr, sind oftmals beeindruckt von der Architektur und neugierig. 

Sobald sie das Tor zum Kapellenhof durchschreiten, umgibt sie eine beruhigende Atmosphäre. Sie setzen sich oder gehen umher, schauen in den Kapellenraum „nehmen wahr“. Der Ort scheint für die Menschen eine beruhigende Wirkung zu haben. Ich glaube es ist auch eine Überraschung. Wer hier vorbeiläuft ist positiv überrascht eine solche Kapelle mitten in der Natur zu finden.

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Warum ist es gut, dass es so einen überkonfessionellen spirituellen Ort wie die Feldkapelle hier in Wiesbaden gibt?

Fragen nach dem Leben, die Frage nach Gott oder nach einem Erschaffer der Welt, die Religiosität ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Das hat eine Konfession nicht für sich gepachtet. Ich finde es eine Bereicherung für Wiesbaden hier einen Ort zu kennen, der für alle Menschen da sein möchte. 

Glaube hat für mich etwas mit Perspektive zu tun. Und wenn der Ort verschiedene Religionen anspricht und aufnimmt, ist das ein wichtiges Zukunftsprojekt. Jede Religion hat ihre Prägung und die Religionen müssen ein friedliches Miteinander vorleben. Wenn dieser Gedanke durch die Kapelle gestärkt wird, trägt sie zu einem friedlichen Miteinander der Religionen bei.

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